BUND Bezirksgruppe Schönberg

Das Flächenhafte Naturdenkmal Gräblematten in Sölden

Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia)/Gräblematten  (Ursula Preuss / BUND)

Die Gräblematten sind ein etwa 1 ha großes Kalkflachmoor mit einer Spitzblütenbinsen-Wiese (Silikatbinsen-Wiese),  gelegen am Heidenbächle in der Gemarkung Sölden. Es wurde 2006 wegen mehrerer Rote-Liste-Arten zum „Flächenhaften Naturdenkmal“ erklärt. (https://www.soelden.de/Rathaus/Satzungen-Bebauungsplaene-und-Verordnungen/Verordnungen-des-Landratsamtes).

Das Heidenbächle am Rand des Kalkflachmoors floss schon damals in einem sehr stark eingetieften Bachbett und wirkte als Entwässerungsgraben auf das Moor. Da eine zunehmende Austrocknung des Gebiets drohte, schrieb die Verordnung „Flächenhaftes Naturdenkmal Gräblematten“ dementsprechend bereits 2006 eine Wiedervernässung vor.

Wollgras (Eriophorum spec.) 2018/Gräblematten  (Winfried Bücking / BUND)

Die Artenliste aus der Zeit, als die Gräblematten unter Schutz gestellt wurden, enthielt eine Orchideenart und mehrere Arten von Sauergräsern (z.B. Wollgras), die in der näheren Umgebung ausgesprochen selten sind (Link zur Artenliste).

Betreut werden die Gräblematten sowohl von der BUND Bezirksgruppe Schönberg, welche ein Drittel der Gesamtfläche, nämlich den oberen Kalkflachmoor- und Feuchtwiesenbereich, seit 1991 gepachtet hat, als auch von der NABU Gruppe Freiburg, die 2007 zwei Drittel der Gesamtfläche und damit die untere Kalkflachmoor- und Waldfläche, gekauft hatte. (NABU-Gräblematten).
Die jährliche Mahd erfolgt im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde.

Davalls Segge (Carex davalliana) 2018/Gräblematten  (Winfried Bücking / BUND)

Um eine Wiedervernässung zu erreichen, wurde von der BUND Schönberggruppe immer wieder auf die dringende Notwendigkeit der Wasserzufuhr hingewiesen. Doch 15 Jahre lang blieben alle Bemühungen erfolglos.

2014 wurde am tiefer gelegenen Ende des Kalkflachmoors vom NABU ein Tümpel ausgehoben, der Amphibien einen Lebensraum bieten sollte. Das führte  - zusammen mit zunehmend heißeren und trockeneren Sommern - zu einer weiteren Veränderung des Wasserregimes im Gelände. Infolgedessen ließ sich von Jahr zu Jahr der Rückgang der seltenen Sauergras-Vorkommen beobachten.

2019 schließlich war die Zahl der ursprünglich vorkommenden typischen und seltenen Flachmoor-Arten deutlich dezimiert (Link zur veränderten Artenliste).

Magerrasen-Perlmutterfalter an Blutweiderich (Lythrum salicaria)/Gräblematten  (Ursula Preuss / BUND)

Seit 2020 gehört der von der BUND-Gruppe betreute Bereich nun dem Land Baden Württemberg. In einem neuen Anlauf gelang es dann endlich, mit der Unteren Naturschutzbehörde in Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Stelle für Oberflächengewässer beim Landratsamt ein Konzept zur Wiedervernässung auf den Weg zu bringen. Ein Teil des Heidenbächle-Wassers wird seit dem Sommer 2021 im oberen Bereich der Fläche in das Kalkflachmoor eingeleitet. Seither ist das Gelände deutlich feuchter.

Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die verschwundenen Pflanzen-Arten wieder auftauchen und dass sich Dank des nun einfließenden Wassers das Kalkflachmoor und die Feuchtwiese, sowie ihre schützenswerte, besondere Tier- und Pflanzenwelt wieder erholen können.

Zur Begrifflichkeit: Hochmoor und Flachmoor beziehen sich auf die Oberflächenform der Moorbildung. Hochmoore wachsen sukzessiv durch das Torfmooswachstum (Sphagnum spec) uhrglasartig in die Höhe über das ursprüngliche Niveau, Niedermoore bleiben eben. Dazwischen gibt es alle Übergänge. Hochmoore werden durch Niederschläge gespeist und sind deshalb nährstoffarm, Niedermoore durch Mineralbodenwasser und sind entsprechend dem zugeführten Wasser nährstoffreich. Das Regulativ ist also tatsächlich der Vernässungszustand, wird es dort zu trocken, setzt Mineralisierung ein. Bei den Gräblematten handelt es sich um relativ kleinflächige, flachgründige  Ansätze von Feuchthumusauflage/ Niedermoor, die wegen ihrer Kleinräumigkeit und geringen Tiefe  eben auch besonders gefährdet sind.  Jeder, der in einem solchen Fall eingreift, sollte  sich der Gefahr und Verantwortung bewusst sein. Der Zusatz Kalk (in Kalkflachmoor) bedeutet, dass das Substrat von kalkhaltigem Wasser durchströmt wird und kalktolerante/-abhängige Pflanzen (einschließlich kalktoleranter Moose) wachsen lässt. Die im Hochmoor Torf-bildenden Torfmoose (Sphagnum spec.)  gedeihen nur in kalkfreiem , "saurem" , nährstoffarmem Wasser. Für die spezifische pflanzensoziologische Einordnung: siehe Biotopbogen der Biotopkartierung der LUBW und den Bericht Schwander/Kramer/Meineke (Gutachtliche Stellungnahme zum geplanten Flächenhaften Naturdenkmal „Bergmatten-Gräblematten“ auf den Gemarkungen Wittnau, Ebringen und Sölden, Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Bezirksstelle für Naturschutz Freiburg, 15. 8. 1990).