Der Schönberg bei Freiburg im Breisgau

 

                                     

                                                                          Ansichtskarte von 1905

Der Schönberg (645 m) ist - neben dem Schauinsland (1284 m) - der eigentliche Freiburger Hausberg, denn er beginnt an der Stadtgrenze direkt hinter den Stadtteilen St. Georgen und Vauban und reicht etwa 7 km nach Süden. Die wenig zersiedelte und abwechslungsreiche Landschaft, zu jeweils etwa einem Drittel von Rebland, Wald und Grünland bedeckt, ist bei Naturfreunden und Wanderern sehr beliebt. Zum Schönberg zählen auch der Batzenberg bei Pfaffenweiler, der Ölberg bei Ehrenstetten sowie Urberg und Hohfirst und Kienberg. 

Die Geologie
Das Schönberggebiet zählt zur Vorbergzone, die dem Schwarzwald im Westen vorgelagert ist.  Während im Schwarzwald sogenanntes „Urgestein“ wie Gneis und Granit vorherrscht, besteht die Vorbergzone überwiegend aus Sedimentgesteinen des Erdmittelalters. Als im Tertiär vor etwa 35 Millionen Jahren der Oberrheingraben abzusinken begann und gleichzeitig durch Hebungsprozesse Schwarzwald und Vogesen entstanden, war im Bereich des heutigen Schwarzwaldes das Urgestein noch von Schichten aus Sedimentgesteinen bedeckt (Buntsandstein, Muschelkalk), wie man sie heute noch östlich des Schwarzwaldes im Schichtstufenland findet.

Durch die geologischen Senkungs- und Hebungsprozesse brachen am Schwarzwaldrand  größere und kleinere Schollen des Deckgebirges ab, die als teilweise verkippte und zerteilte „Randschollen“ am Rand des Gebirges hängen blieben (vgl. Abb. 1, entnommen dem Aufsatz von H. Genser in der „Schönbergmonographie“). Im Breisgau und im Markgräflerland tragen sie als kleine oder größere Hügel zur landschaftlichen Vielfalt bei (Tuniberg, Nimberg, Staufener Schlossberg, Castellberg u.a.). Im Schönberggebiet dominieren Kalkgesteine aus der Jurazeit, die stellenweise auch in Form von Felsbildungen anstehen (z.B. Hauptrogenstein am Ehrenstetter Ölberg), vgl. Abb. 2, aus Genser 2006. Bemerkenswert sind  - vor allem im westlichen Bereich des Schönberggebietes – Ablagerungen von „Tertiärgeröllen“. Es handelt sich dabei um Schichten teils verbackener, gerundeter Kalksteine unterschiedlicher Größe, die während des Tertiärs als Gerölle von den Höhen des Schwarzwaldes herabgespült wurden. Der Schwarzwald war damals noch von den Sedimentschichten überlagert, die in der Folgezeit durch Erosion vollständig abgetragen wurden.
Die Schwarzwald-Randverwerfung, entlang derer die Hebungs- bzw. Absenkungsprozesse vor allem abliefen, verläuft im Übrigen östlich des Schönberges in der Senke zum Schwarzwald hin, dem sog. „Hexental“. Im Gegensatz zum Kaiserstuhl, der überwiegend vulkanischen Ursprungs ist, ist die Vorbergzone also eine Folge der tektonischen Absenkung des Oberrheingrabens.

Die Rebflächen
sind heute beinahe komplett großflächig flurbereinigt und werden intensiv bewirtschaftet. Kleinere Flächen der traditionellen, kleinparzellierten Reblandschaft mit Trockenmauern, Steinriegeln und Gebüsch sind vor allem bei Ehrenstetten und Ebringen erhalten.

Die Wälder
Weiter unten wachsen eher Traubeneichen, in den höheren Lagen dominiert Buchenwald.
Da die Standorte auf Kalkuntergrund meist warm und trocken sind, gibt es hier viele wärmeliebende Pflanzenarten, die im Schwarzwald fehlen. Und überhaupt ist die Flora in der Vorbergzone ungleich bunter und vielfältiger als im angrenzenden Schwarzwald. Die Wälder am Schönberg sind – besonders in den Naturschutzgebieten – oft nur wenig genutzt, so dass ungewöhnlich viel Altholz und vor allem Totholz vorhanden ist, ein wichtiger Lebensraum für bedrohte Tierarten.

Das Grünland,
das im mittleren und östlichen Schönberggebiet sowie um Ebringen größere Flächen einnimmt,
wird entweder als Weide für Rinder und Schafe genutzt (Berghauser Matten) oder in trocken-warmen Bereichen als Trockenrasen über Naturschutzprogramme gepflegt (v. a. um Ebringen).
Hier liegen die floristisch interessantesten Gebiete des Schönberges mit vielen Orchideenarten
und anderen Besonderheiten.

Naturschutz
Vier Naturschutzgebiete gibt es im Schönberggebiet:

(1) NSG Jennetal mit dem „Sumser Garten“: Das vor allem für seinen Orchideenreichtum bekannte Gebiet liegt nordöstlich von Ebringen. Um das Kerngebiet (Sumser Garten, NSG bereits 1937, Erweiterung 1995) liegen ausgedehnte Flächen mit Trockenrasen, Gebüschen und Trockenwald.

(2) Berghauser Matten auf Gemarkung Ebringen: Ehemals militärisches Übungsgelände, Ausweisung als NSG 1996. Das Gebiet enthält wertvolle Trockenrasen, vor allem aber großflächige Weiden mit zahlreichen Obstbäumen. Die Bäume sind zum Teil absterbend und daher von hohem Wert für Vogel- und Insektenarten. Jungbäume wurden in größerer Zahl nachgepflanzt.

(3) Ehrenstetter Ölberg: Der Südosthang des Ölberges umfasst ein vielfältiges Mosaik aus unterschiedlichen Wäldern, traditionellen, kleinparzellierten Rebflächen, Felsbildungen und aufgelassenen Rebflächen. In den wenig genutzten Wäldern und auf Trockenwiesen kommen seltene Vogel-, Insekten- und Pflanzenarten vor. Der BUND ist Besitzer einiger größerer ehemaliger Rebflächen mit schönen Trockenmauern. mehr..


(4) „Vogelsang“: Das kleine NSG liegt am Waldrand oberhalb von Leutersberg und umfasst Wald, ehemalige Steinbruch- und Trockenrasenbereiche. Auch hier kommen bemerkenswerte Pflanzen- und Insektenarten vor.

Literatur: 

(1) Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg; herausgegeben vom Regierungspräsidium Freiburg, Thorbecke-Verlag, Ostfildern 2004

(2) Der Schönberg – Natur- und Kulturgeschichte eines Schwarzwaldvorberges; herausgegeben für den Badischen Landesverein für Naturkunde und Naturschutz von Helge Körner, Lavori-Verlag, Freiburg i. Br. 2006
(Die „Schönbergmonographie“)

(3) Der Naturlehrpfad am Schönberg bei Freiburg i. Br.; herausgegeben vom Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, Freiburg 1998

(4) Walter Fahl: Schönberg-Batzenberg-Panorama; Kehrer-Verlag, Freiburg i.Br., etwa 1980

Dr. Frank Baum, Weiherweg 13, 79219 Staufen i. Br.